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News des Hochschulinformationsbüros

POSITION DER IG METALL

Rückkehr zum "Dipl.-Ing." ist nicht der richtige Weg

Der Diplomingenieur ist ein deutsches Qualitätsprodukt - und zugleich aber auch ein Auslaufmodell. Mit der Umstellung der Studiengänge auf das zweigliedrige Bachelor/Master-System wurde der Grad vor zehn Jahren abgeschafft. Die neun größten Technischen Universitäten, die als sogenannte TU9 organisiert sind, wollen nun den "Dipl.-Ing." wieder verleihen.

 

Die IG Metall fordert anstelle der Rückkehr zum Titel Dipl.-Ing. eine konsequente Weiterentwicklung der Bachelor- und Masterstudiengänge.

"Es besteht Einigkeit darüber, dass jeder, der ein entsprechendes fünfjähriges Studium absolviert hat, den Titel Diplomingenieur führen darf", sagte der designierte Rektor der TU Dresden, Hans Müller-Steinhagen, dem Magazin "Focus". "Wir wollen den Prozess der Umstellung auf Bachelor und Master erfolgreich zu Ende bringen, aber nicht das Qualifikationsziel aufgeben. Dieses Ziel beschreibt der Grad Diplomingenieur hervorragend", sagte der Präsident der TU9 und Rektor der RWTH Aachen, Ernst Schmachtenberg, der Tageszeitung DIE WELT.


Die Hochschulen arbeiten seit Längerem an der Revision der bisherigen Praxis, immer öfter mit Unterstützung der zuständigen Minister bei großzügiger Auslegung der Hochschulgesetze. In Bayern erlaubte Wissenschaftsminister Wolfgang Heubisch (FDP) der TU München, den Diplom-Grad als Äquivalent zum Master auf die Zeugnisse zu schreiben. Der baden-württembergische Hochschulminister Peter Frankenberg (CDU) hat vor wenigen Wochen in der Kultusministerkonferenz dafür geworben, den Diplom-Grad wieder einzuführen. Die TU9 ist optimistisch, dass die Kultusminister bei ihrem nächsten Treffen Mitte Oktober die Wiedereinführung beschließen. Am 11. Oktober wird der "Dipl.-Ing." 111 Jahre alt.

Der zukünftige Dresdner TU-Präsident will jedoch noch einen Schritt weiter gehen. Als bundesweites Modell regt Müller-Steinhagen an, fünfjährige Diplom-Studiengänge parallel zum Bachelor/Master-Studium anzubieten. Das sächsische Hochschulgesetz würde bereits jetzt - anders als das Recht in den anderen Bundesländern - diese Parallelität erlauben.

Die IG Metall begründet ihre ablehnende Haltung gegen die Rückkehr zum Dipl.-Ing. mit vier Argumenten:

 

  • Die Bachelor und Masterstudiengänge sind an deutschen Hochschulen Realität. Im Bereich der Ingenieurwissenschaften sind über 90 Prozent auf die neue Struktur umgestellt. Mehr als 75 Prozent aller Studienanfänger/innen beginnen ein Bachelorstudium. Deshalb schafft es bei Studierenden mehr Verwirrung als Sicherheit, wenn jetzt dem Begehren der führenden Technischen Universitäten nachgegeben wird, und zusätzlich oder sogar an Stelle eines Masterstudiums ein fünfjähriges Diplomstudium eingeführt wird. Die Gewerkschaften lehnen diese Initiative ab. Statt dessen setzen sie sich für weitgehende Reformen ein. Der Bachelor muss auch an den Universitäten zu einem berufsqualifizierenden Studium werden. Die Durchlässigkeit zwischen Bachelor- und Masterstudium muss verbessert werden. Jeder, der erfolgreich ein Bachelorstudium absolviert hat, sollte auch die Gelegenheit haben, ein Masterstudium anzuschließen! 
  • Entscheidend ist aus gewerkschaftlicher Sicht nicht die Abschlussbezeichnung, sondern die Qualität des Studienganges. Schon die "alten" Diplomstudiengänge litten mehrheitlich an fachlicher Überfrachtung, an hohem Prüfungsdruck, an einem für viele Studierenden demotivierenden Grundstudium und hohen Abbrecherzahlen. Daran hat die Einführung von Bachelor- und Masterabschlüssen nichts geändert. Anstatt also über die Abschlussbezeichnungen zu streiten, sollten Fachhochschulen, Universitäten und Berufsakademien alle Anstrengungen unternehmen, die Qualität von Studium und Lehre zu verbessern. Dazu kann man entlang der Bologna-Kriterien die Ausrichtung der Studienprogramme an der beruflichen und wissenschaftlichen Qualifizierung, an einem praxisorientierten Studium, an der sozialen Durchlässigkeit und an der Studierbarkeit zählen. Nach der Studien - Struktur -Reform brauchen wir jetzt eine Studienreform, keine Rückkehr zu vermeintlich guten alten Zeiten, die es nie gegeben hat. 
  • Für die MINT - Fächer kann man nach allen vorliegenden Daten sagen, dass sowohl die Bachelorabschlüsse wie der Masterabschlüsse in der Wirtschaft angekommen sind. Die Absolventen/innen sowohl im Bachelor- wie im Masterbereich werden mehrheitlich adäquat  eingesetzt, d.h. es hat in diesen Bereichen (woanders sind allerdings erhebliche Probleme zu erkennen) keinen massenhaften Ersatz von Facharbeitertätigkeiten gegeben. Es ist auch Dank der von der IG Metall durchgesetzten Tarifverträge gelungen, bei den Einstiegsgehältern den Bachelor wie das FH - Diplom und den Master wie das Uni - Diplom zu behandeln. Damit wurde ein großer Schritt in Richtung Akzeptanz gemacht. Trotzdem gibt es ein breite Streuung der Einstiegsgehälter (insbesondere in den tarifungebundenen Betrieben), eine Zunahme prekärer Arbeit im Ingenieurbereich und eine große Unsicherheit bei vielen Personalabteilungen über die Kompetenzprofile der Absolventen/innen der neuen Studiengänge. Nicht alle diese Tendenzen haben mit den neuen Abschlüssen zu tun. Unklar ist, ob die Bachelorabschlüsse in Konkurrenz zu den den mittleren fachlichen Abschlüssen wie Techniker und Meister führen werden.  Und es gibt  Betriebe die mit Verweis auf die Dual Studierenden die Zahl der Ausbildungsplätze senken. Die IG Metall beobachtet diese Entwicklungen sehr genau. Die jährliche Analyse der Einstiegsgehälter gibt Aufschluss über die Gehaltsniveaus von Bachelor- und Masterabsolventen/innen. Die IG Metall bietet Schulungen für ihre Betriebsräte zu diesen Themen an. Die Vergütungen für Dual Studierende müssen tariflich abgesichert werden.
  • Der Bologna - Prozess unterscheidet nicht zwischen Universität und Fachhochschule, sondern gibt allen Institutionen des "tertiären Bereichs" unter bestimmten Voraussetzungen die Möglichkeit, Bachelor und Masterstudiengänge anzubieten. Die alte Unterscheidung zwischen Fachhochschul- und Universitätsdiplom und damit die Statusunterscheidung Universität - Fachhochschule bricht aufgrund des Bologna - Prozesses, aber auch anderer Entwicklungen, z.B. durch die Verbreiterung von Berufsakademien und  privaten Hochschulen zunehmend auf. Deswegen kann man die Initiative der neun führenden Technischen Universitäten auch in Richtung der Sicherung ihres Status interpretieren. Dabei geht es dieser Gruppe nicht um den Erhalt des Fachhochschuldiploms, sondern sie argumentieren ausschließlich für die Universitäten. Es geht ihnen also nicht um das Wohl der Studierenden, sondern um den Erhalt ihrer Privilegien! Damit geht ihre Initiative weit an den Zukunftsaufgaben für das Hochschulsystem vorbei.

 

(Quelle: www.igmetall-wap.de)

 

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