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News des Hochschulinformationsbüros

19. SOZIALERHEBUNG ZUR LAGE VON STUDIERENDEN IN BERLIN VORGESTELLT

„Von sozial offenen Hochschulen sind wir weit entfernt“

(Berlin – 23.04.2010) An den Hochschulen laufen derzeit die Vorbereitungen für einen heißen Sommer mit Bildungsprotesten auf Hochtouren. Weiteren Stoff dafür könnte die 19. Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerkes bieten. Diese liefert erstmals Daten zu den Auswirkungen von Studiengebühren und Bachelorsystem auf die wirtschaftliche und soziale Lage der Studierenden und wurde am 23. April in Berlin vorgestellt.

Während Thomas Rachel, Staatssekretär im Bundesministerium für Bildung und Forschung positiv bewertete, dass der Anteil von Kindern aus so genannten bildungsfernen Schichten an den Unis gestiegen ist, widersprach der Präsident des Deutschen Studentenwerkes Rolf Dobischat. „Von sozial offenen Hochschulen sind wir weit entfernt“, sagte er. „Bei einem oberflächlichen Blick kann man die Daten optimistisch deuten.“ Zwar sei der Anteil der Akademiker-Kinder unter den Studierenden zuletzt leicht zurück gegangen. Von 100 Kindern aus Nicht-Akademikerfamilien fingen jedoch weiterhin nur 24 ein Studium an.

Die Ergebnisse zu den Auswirkungen des Bachelor- und Mastersystems und der Einführung von Studiengebühren bestätigten die Kritik der Studierenden. 19 Prozent der Befragten hätten die zeitliche Belastung während ihres Bachelorstudiums als zu hoch eingestuft. Ihnen bleibe weniger Zeit zum Jobben um sich das Studium zu finanzieren, erläuterte Dobischat.

Und auch wenn es keine „Gebührenflucht“ nach der Einführung von Studiengebühren gegeben habe: „Diejenigen, die besonders von den Studiengebühren betroffen sind, können gar nicht fliehen,“ sagte Dobischat. Denn die Gebühren wirkten sich je nach sozialer Herkunft ganz unterschiedlich aus. Kinder aus unteren sozialen Schichten müssten selbst für die Kosten aufkommen, während bei Akademikerkindern häufig die Eltern einsprängen. „Schafft es ein Kind aus einer bildungsfernen und einkommensschwächeren Familie trotz Selektion im Schulsystem an die Hochschule, steht es dort schon wieder vor einer Hürde.“

Regina Görner, Mitglied im Geschäftsführenden Vorstand der IG Metall, bekräftigt in einer ersten Stellungnahme ihre Forderung nach Abschaffung der Studiengebühren. Görner weiter: „Wir müssen alles dafür tun, um den Zugang zu Hochschulen zu erleichtern. Auch die Unternehmen sind auf diese Fachkräfte angewiesen.“

Info: Alle drei Jahre werden die Studierenden in Deutschland im Rahmen der Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerkes zu ihrer wirtschaftlichen und sozialen Lage befragt. An der jüngsten, 19. Sozialerhebung nahmen im Sommer 2009 16.370 Studierende von 210 Hochschulen teil. Die Kurzfassung der Ergebnisse und der 586 Seiten starke Hauptbericht stehen auf der Homepage des Deutschen Studentenwerkes zum Download bereit (siehe unten unter Links).

 

von Judith Fiebelkorn

 

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