Praktika

Wie sinnvoll sind Praktika?

02.05.2017 | Was bringen eigentlich Praktika? Finanziell nicht allzu viel, besagt eine neue Studie.

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Unter Studierenden ist die Ansicht weit verbreitet, dass man ohne Praxiserfahrung schlechte Karten am Arbeitsmarkt hat: 83 Prozent der deutschen Hochschulabsolvent/innen haben mindestens ein Praktikum abgeleistet, sagen Bernd Frick und Michael Maihaus.

Die Wirtschaftswissenschaftler/innen von der Universität Paderborn haben untersucht, ob sich die Abstecher ins Berufsleben später wirklich auszahlen. Den Ergebnissen nach scheint das äußerst zweifelhaft: Allenfalls Praktika bei besonders renommierten Konzernen erhöhten die Chance auf gut bezahlte Jobs. Andere könnten sogar kontraproduktiv sein.

Für ihre Studie haben sie knapp 74.000 Studierende und gut 11.000 Berufseinsteiger/innen mit Hochschulabschluss befragt. Um festzustellen, wie sich Praktika auf das erwartete Einstiegsgehalt der Studierenden beziehungsweise das tatsächliche Einstiegsgehalt der Absolvent/innen auswirken, rechneten sie andere Faktoren wie das Geschlecht, das Studienfach oder die Abschlussnote heraus.

Generell gibt es demnach keinen signifikanten Zusammenhang. Positive Effekte von 4 bis 13 Prozent ergeben sich nur dann, wenn man ausschließlich sogenannte Top-Praktika betrachtet – bei einem DAX-Unternehmen, einer der zehn größten Banken oder einem der laut Umfragen 25 "besten Arbeitgeber".

Wenn man die Analyse dagegen auf Tätigkeiten bei anderen Betrieben beschränkt, ändert sich das Vorzeichen: Je mehr "Standard-Praktika" Studierende absolvieren, desto weniger verdienen sie beim Berufseinstieg im Vergleich zu Kommiliton/innen mit ansonsten identischen Voraussetzungen.

Die Erklärung: Wer sich reihenweise als Praktikant bei beliebigen Unternehmen verdinge, statt sich aufs Studium zu konzentrieren.

(aus der Soli aktuell 4/2017, Autorin: Soli aktuell)

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