Debatte mit Landtagsabgeordneten

Studienfinanzierung weiter unklar

04.08.2020 | Nina Eisenhardt von den Grünen und Daniela Sommer von der SPD haben sich am 30.7. den Fragen der Darmstädter IG Metall Studierenden und weiteren Gästen gestellt.

Auf Einladung des Darmstädter Studierendenarbeitskreises startete die Debatte mit dem Thema Studienfinanzierung. Frau Eisenhardt, aus der gleichen Partei wie die hessische Wissenschaftsministerin, stellte klar, dass die Studienfinanzierung eine Bundesaufgabe ist. Wenn die Bundesländer vorpreschen, könne sich der Bund aus der Verantwortung stehlen. Aufgabe des Landes hingegen sei es, die Lücken des Bundesprogrammes zu ergänzen. Zur ersten Entlastung wurde ein kleines Programm im April aufgelegt, bei dem Studierende 200€ beantragen konnten. Wichtig für eine mittelfristige Studienplanung sei eine Öffnung des BAföG. Frau Sommer ergänzte, dass eine Mietminderung mindestens in den Wohnheimen der Studierendenwerke und eine Aussetzung der Semesterbeiträge zusätzlich sinnvolle Maßnahmen wären.

Die aktuelle Unterstützungshilfe des Bundes hat für Hessen ein Volumen von circa 9 Millionen Euro. Sollte dieses Geld ausgeschöpft werden und keine weiteren Bundesmittel verfügbar sein, stellt das Land Hessen weitere 10 Millionen Euro zur Verfügung. Frau Eisenhardt bedauert die aktuelle Vergabepraxis. Die sehr engen Vorgaben des Bundes gehen zu Lasten von Studierenden, die auch vor Corona schon chronisch knapp bei Kasse waren. Leider kann das Land keine zum Bund zusätzlichen Fördermittel auszahlen, dies sei eine Vorgabe der Bundesministerin.

Die SPD im Bund kämpft laut Frau Sommer für eine Corona-Öffnung des BAföG. Die Hilfen von Bundesebene müssten aber von den Ländern bedarfsgerecht aufgestockt werden.

In der späteren Debatte wurde die Studienstruktur diskutiert. Eine weitere Verlängerung der Regelstudienzeit wollen beide Landtagsabgeordneten vom Verlauf des Wintersemesters abhängig machen. Falls eine normale Präsenzlehre durchgeführt wird, gäbe es dafür keinen Grund. Eine teilweise Öffnung der Hochschulen und Lehre unter Hygienebedingungen wäre die präferierte Variante des Wintersemesters. Die anwesenden Studierenden berichten, dass TU Darmstadt, Hochschule Darmstadt, Technische Hochschule Mittelhessen und Hochschule Rhein-Main ihren Studierenden bereits ein digitales Semester angekündigt haben. Ausnahmen soll es teilweise für Erstsemester und die Durchführung von Praktika geben. Frau Eisenhardt berichtet, dass zwischen den hessischen Hochschulen und dem hessischen Wissenschaftministerium Absprachen zu dem Thema laufen und dies noch nicht final entschieden sei.

Ein Teilnehmer berichtet, dass einige seiner Kommiliton*innen im Sommersemester nur über das Handy an online-Vorlesungen teilnehmen konnten. Gerade für Migrant*innen und Arbeiter*innenkinder sei dies eine zusätzliche Belastung. Die Qualität der Lehre ist somit nicht gewährleistet. Frau Eisenhardt verweist für die Darmstädter*innen auf das Computerwerk Darmstadt. Hier werden Studierende mit Computern unterstützt. Außerdem arbeiteten die hessischen Hochschulen an einer gemeinsamen digitalen Lehrplattform und Qualitätsrahmen, sodass in 4 Jahren alle digitale Lehre einem gemeinsamen Standard folgt. Für die unmittelbare Zukunft weist sie auf digll-hessen.de hin. Dort werden Unterstützungsleistungen für das Sommersemester 2020 aufgelistet.

Frau Sommer zeigt sich beeindruckt von der Leistung vieler wissenschaftlicher Mitarbeiter*innen, die seit März erstaunliches in der Digitalisierung der Lehre leisten. Die digitalen Kenntnisse der Lehrenden wären sehr unterschiedlich. Für die Zukunft müsse Medienkompetenz als Querschnittsthema in der Lehrer*innenbildung vermittelt werden.

Die Darmstädter Studierenden danken den beiden Abgeordneten für die Diskussion und fordern sowohl in der Studienfinanzierung als auch der Digitalisierung schnellere Lösungen. Zudem verweisen sie auf die unmöglichen Anforderungen bei digitalen Prüfungen. Diese sollte es jedoch nach aktuellem Stand in Hessen gar nicht geben. Ausnahmen sind mündliche Abschlussprüfungen, die digital durchgeführt werden. Wenn ihr in Hessen studiert und digital geprüft werdet, meldet euch gerne bei isabella.albert@igmetall.de. Mit gesammelten Fakten können wir die Situation für Studierende weiter verbessern.