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Tarifabschluss in der Metall- und Elektroindustrie aus Studierendensicht

22.04.2021 | Trotz Coronapandemie erstreiten die Kolleginnen und Kollegen von Automobilzulieferern, Maschienenbau und optischer Industrie mehr Geld, Zukunftstarifverträge und einen Einstieg in die Tarifwelt für dual Studierende.

Studierendenaktion in Darmstadt. Foto: IG Metall Darmstadt

Nach einem Jahr der Corona-Krise und einer Verschiebung der Tarifrunde von März 2020 nach 2021 schütten viele Konzerne Rekorddividenden an ihre Aktionäre aus. Andere Betriebe sind noch immer in Kurzarbeit. Unter diesen schwierigen Bedingungen einigten sich Arbeitgeber und IG Metall in NRW auf einen Tarifabschluss, der für Hessen, Rheinland-Pfalz und das Saarland übernommen wurde.

Wesentlicher Bestandteil für Alle ist ein neues und damit viertes regelmäßiges Zusatzgeld immer im Februar. Neben Urlaubsgeld, Weihnachtsgeld, T-ZUG (seit 2019 immer im Juli) gibt es neu das Transformationsgeld. Es beträgt im Februar 2022 18,4% eines Monatsentgelts und ab Februar 2023 27,6%. Damit steigt das Jahresentgelt in der Metall- Elektroindustrie auf 13,699 Monatsgehälter 2022 und 13,791 Entgelte ab 2023. Damit steigt das Entgelt für eine Ingenieurin in Hessen (Entgeltgruppe 9) 2022 um 728€ auf 58.293€.

Zusätzlich erklärten IG Metall und Arbeitgeber sich dem Fachkräftenachwuchs dieses Jahr besonders widmen zu wollen. Die Betriebe werden angehalten weiter auszubilden und für Schüler*innen eine Perspektive mit der beruflichen Ausbildung bereitzustellen. Für die dual Studierenden, die gleichzeitig eine Berufsausbildung und ein Studium machen, gelten für die Dauer der Berufsausbildung auch die tarifvertraglichen Bedingungen, also 35 Stundenwoche, 30 Tage Urlaub, gute Entgelte und insbesondere die Übernahme nach Ende der Ausbildung. Für dual Studierende ohne zusätzliche Berufsausbildung konnten sich die Arbeitgeber nur zu einer Empfehlung der Übernahme durchringen. Um auch für diese Studienart Tarifstandards durchzusetzen, müssen wir unsere Kräfte noch besser bündeln.

In der IG Metall Mitte evaluieren wir das duale Studium in Hessen, Rheinland-Pfalz, dem Saarland und Thüringen. Dazu gehört einen engeren Kontakt zu dual Studierenden aufzubauen. Wünsche durchsetzen geht nur gemeinsam.

Die IG Metall Mitte hatte die Arbeitgeber in Thüringen aufgefordert, nach drei Jahrzehnten der Ungerechtigkeit die Perspektiven für die Beschäftigten in Thüringen zu verbessern. Denn immer noch wird in der Branche unbezahlt drei Stunden länger als im Nachbarland Hessen gearbeitet. Anstatt 35 Stunden müssen die Beschäftigten in den ostdeutschen Bundesländern in der Metall- und Elektroindustrie - auch jetzt in der Pandemie - für das gleiche Geld 38 Stunden arbeiten. Deshalb hat die IG Metall in den Tarifgebieten Berlin-Brandenburg und Sachsen ein tarifliches Angleichungsgeld gefordert. Die IG Metall Mitte erklärt sich solidarisch und erwartet ein ernstzunehmendes Angebot der Arbeitgeberverbände, um die Angleichung der Arbeitsbedingungen zu realisieren.

"Die von den Arbeitgebern geforderte Nullrunde konnte verhindert werden. Allerdings ist es uns nicht gelungen, eine Perspektive für die tarifliche Angleichung der Entgeltbedingungen auf den Weg zu bringen. Die Arbeitgeber sind dazu 30 Jahre nach dem Mauerfall immer noch nicht bereit. Das Thema bleibt damit auf der Agenda der zu beseitigenden Ungerechtigkeiten zwischen Ost und West.", sagt Bezirksleiter Jörg Köhlinger.

Ergebnisse bei Volkswagen

Auch bei Volkswagen konnte eine Verständigung erreicht werden. Hier gibt es 2,3 Prozent mehr Entgelt in der Tabelle ab dem 1. Januar 2022. Bereits im Juni kommt eine Corona-Prämie über 1.000 Euro, für Auszubildende 600 Euro. Aus der Leistungsorientierten Vergütung (LOV) wird ab dem 1. Mai 2021 eine Tarifliche Zulage von 150€. Die Tarifliche Zusatzvergütung kann zur Hälfte für alle Beschäftigten (außer Azubis, Dualis und ATZler) in drei freie Tage umgewandelt werden. Besonders belastete Beschäftigte können weiter ihre sechs Tage in Anspruch nehmen. Und die 1.400 Ausbildungsplätze pro Jahr werden bis 2025 fortgeschrieben. Zudem gilt der Tarifvertrag jetzt auch für alle dual Studierenden.