Recht auf Homeoffice

Veränderungen der Arbeitswelt gestalten

16.10.2020 | In der Corona-Krise ist Arbeiten im Homeoffice ist für viele zur Normalität geworden. Ist mobiles Arbeiten ein Modell der Arbeitsorganisation für die Zukunft? Der Gesetzesvorstoß des Bundesarbeitsministeriums für eine staatliche Garantie stößt dabei auf viel Kritik. Unter anderem die Arbeitgeberverbände lehnen den Gesetzesentwurf entschieden ab.

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Fakt ist, Corona hat normale Arbeitsplätze nachhaltig beeinflusst. Einerseits wurden viele Menschen aufgrund der Krise faktisch gezwungen, zu Hause oder mobil zu arbeiten: soziale Kontakte sollten vermieden werden, Schulen und Betreuungseinrichtungen waren geschlossen. Andererseits gab es schon vor der Corona-Pandemie den Wunsch vieler Arbeitnehmer*innen, Arbeit und Privatleben besser zu vereinbaren, beziehungsweise die Arbeitszeit nach den eigenen Interessen und Vorstellungen flexibler zu gestalten.

In der Beschäftigtenbefragung der IG Metall (2018) gab etwa ein Drittel der Befragten an, gern auch mal öfter von zu Hause aus arbeiten zu wollen. Eine Untersuchung Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin kommt das DIW zu ähnlichen Ergebnissen wie die IG Metall: Rund ein Drittel der Beschäftigten wünscht sich mobile Arbeit. Allerdings arbeiteten vor der Corona-Krise nur zwölf Prozent aller Beschäftigten überwiegend oder teilweise zu Hause.

Dem Wunsch nach mehr Flexibilität hat die IG Metall in der letzten Tarifrunde mit aufgenommen. Hier konnte ein Tarifvertrag zur mobilen Arbeit abgeschlossen werden. Er regelt unter anderem, was unter mobile Arbeit fällt und was in Betriebsvereinbarungen dazu geregelt wird. Mobile Arbeit soll nach Tarifvertrag, Arbeit und Leben besser miteinander vereinbaren. Sie beschränkt sich nicht auf die Arbeit mit mobilen Endgeräten, sondern umfasst alle Tätigkeiten, die zeitweise oder regelmäßig außerhalb des Betriebs getätigt werden.

Freiwillige Betriebsvereinbarungen bilden den Rahmen für eine individuelle Vereinbarung über Häufigkeit, Lage, und den Zeitraum für mobile Arbeit und legen fest, wie die Arbeitszeit erfasst wird. Um Entgrenzungen bei der Arbeitszeit zu vermeiden und um Nachteile für Beschäftigte zu verhindern, müssen betriebliche Vereinbarungen folgenden Grundsätzen entsprechen:

  • Mobile Arbeit muss freiwillig bleiben. Beschäftigten, die mobile Arbeit ablehnen oder beenden, darf kein Nachtteil entstehen.
  • Die gesetzliche und tarifliche Arbeitszeit muss eingehalten werden.
  • Beschäftigte sind nicht verpflichtet, außerhalb der vereinbarten mobilen Arbeitszeit erreichbar zu sein.

Dem Wunsch nach mehr arbeitszeitlicher Flexibilität auf Seiten der Arbeitnehmer*innen wollte auch die Bundesregierung Rechnung tragen. So wurde im Koalitionsvertrag festgehalten: "Wir wollen mobile Arbeit fördern und erleichtern. Dazu werden wir einen rechtlichen Rahmen schaffen.“ Dementsprechend hat das Bundesarbeitsministerium kürzlich eine Gesetzesinitiative für eine gesetzliche Regelung zur mobilen Arbeit gestartet. So soll erstmals ein verbindlicher Anspruch für alle Arbeitnehmer*innen auf mindestens 24 Tage im Jahr geschaffen werden.

Die CDU als Koalitionspartner und die Arbeitgeber kritisieren die Gesetzesinitiative scharf. Zu bürokratisch, nicht auf die Bedürfnisse der Unternehmen abgestimmt, Eingriff in die autonome Gestaltung von Arbeitsabläufen, so die Kritikpunkte. Unklar ist, warum sich die CDU so vehement gegen die Regelung wehrt, ist sie doch im Koalitionsvertrag angekündigt. Das Argument, der Gesetzesentwurf würde bürokratische Hürden bauen, ist auch schwer nachvollziehbar. Vielmehr wirkt die Kritik so, als möchte eine Unternehmenskultur verteidigen, die auf Kontrolle ausgerichtet ist. Dabei ist bewiesen, dass Homeoffice nicht zu Produktivitätsverlusten führt. Im Gegenteil: zufriedene Arbeitnehmer*innen bewirken das Gegenteil. Ein anderer Kritikpunkt der Arbeitgeber ist, dass betriebliche Regelungen mehr Flexibilität und Möglichkeiten bieten als ein Gesetz. An der Freiwilligkeit der Gewährung von mobilen Arbeiten wollen die Arbeitgeber also nicht ändern. Ebenso ist zu bedenken, dass nicht alle von tarifvertraglichen Regelungen profitieren. Die Tarifbindung ist geografisch unterschiedlich ausgeprägt. Von einem Rechtsanspruch auf Homeoffice unter anderem die ostdeutschen Bundesländer profitieren.

Aus Sicht der IG Metall ist der Gesetzesentwurf des Arbeitsministeriums ein guter erster Schritt. Derzeit sind noch viele rechtliche Fragen ungeklärt, beispielsweise beim Versicherungsschutz. Außerdem zahlen die Beschäftigten oft drauf: Sie schaffen Monitore an, rüsten bei der Internet-Bandbreite auf. Nur die wenigsten Arbeitgeber beteiligen sich an den Kosten. Unter anderem solche Probleme muss ein Gesetz zur mobilen Arbeit lösen. Deshalb fordern wir:

  • Der Schutz der gesetzlichen Unfallversicherung muss für mobile Arbeit sichergestellt sein.
  • Arbeitgeber müssen die geleistete Arbeitszeit erfassen.
  • Mehrarbeit muss mit Zeit ausgeglichen oder vergütet werden.
  • Das Arbeitszeitgesetz gilt auch im Homeoffice.
  • Mobile Arbeit darf nicht zu ständiger Erreichbarkeit führen.
  • Arbeitsschutzgesetze gelten auch für mobile Arbeit.
  • Betriebs- und Personalräte brauchen ein erzwingbares Mitbestimmungsrecht, wenn es um den Arbeitsort geht.
  • Gewerkschaften müssen auch Beschäftigte im Homeoffice erreichen können. Dazu brauchen sie digitale Rechte.