Berufseinstieg bei Entwicklungsdienstleistern

21.06.2019 | Ob auf Messen, durch Inserate in großen Tageszeitungen, oder durch soziale Medien. Entwicklungsdienstleister buhlen um die Fachkräfte der Zukunft. Geworben wird oft mit „social events“ oder persönlichen Personalentwicklungsprogrammen. Ein Blick hinter die Kulissen verschafft da mehr Klarheit.

Kompetente Beratung beim Berufseinstieg.

EDL-Vernetzung in der Geschäftsstelle Wolfsburg

Ricarda Bier

Wer Stellenausschreibungen analysiert, findet bei Fragen der Arbeitszeit, Flexibilität im Sinne der Arbeitnehmer*innen oder Tarifbindung ist in den seltensten Fällen etwas Aussagekräftiges. Genau diese Faktoren bestimmen jedoch die Attraktivität eines Arbeitgebers. Verfügbares Obst und "social Events" sind sicherlich nett, machen aber noch lange keinen attraktiven Arbeitgeber aus. Hier gilt es genau hinzuschauen. Tarifbindung heißt in den meisten Fällen, dass nach dem Tarifvertrag Leiharbeit gezahlt wird. Dies bedeutet keine 35-Stunden-Woche, im besten Fall liegt die Arbeitszeit bei 38 Stunden in der Woche.

Das liegt zum Teil auch an den großen Unternehmen, die Werkverträge an Entwicklungsdienstleister vergeben. Hier geht es oft darum, hochqualifizierte Tätigkeiten billig einzukaufen. Ein Irrweg, auch und obwohl die Branche noch boomt. Der Berufseinstieg bei einem Entwicklungsdienstleister kann interessant sein. Man gewinnt Berufserfahrung in einem oft innovativen Umfeld mit spannenden Projekten. Zudem besteht immer die Möglichkeit der Übernahme auf Seiten des Kundenunternehmens. Eine genaue Überprüfung des Arbeitgebers schützt jedoch vor bösen Überraschungen.

Hier kommt die IG Metall ins Spiel. Einerseits sorgt die IG Metall durch Tarifverträge für gute Rahmenbedingung. IAV als großer Entwicklungsdienstleister ist ein Beispiel für die Durchsetzung guter und kluger Tarifverträge. Bei IAV sind alle Statusgruppen im Betrieb tariflich abgesichert, sei es als Arbeitnehmer in Vollzeit, als Werkstudierender oder als Praktikant*in. Kürzlich konnte auch bei Valmet ein Tarifvertrag abgeschlossen werden.

Neben den Tarifverträgen konnte die betriebliche Mitbestimmung gestärkt werden. Betriebsrät*innen gibt es mittlerweile bei fast allen größeren Entwicklungsdienstleistern. Das ist sowohl für die Belegschaft, als auch für das Unternehmen von Interesse, so Ricarda Bier, zweite Bevollmächtigte der IG Metall Geschäftsstelle Wolfsburg: "Betriebliche Mitbestimmung erweist sich in den Betrieben als klarer Wettbewerbsvorteil. Das beweisen mittlerweile nicht nur viele Studien, sondern auch die gelebte Praxis in den Betrieben. Zufriedene Belegschaften und ein starker Betriebsrat fördern die Innovationskraft und damit den wirtschaftlichen Erfolg von Unternehmen."

Neben den tariflichen und betrieblichen Aktivitäten wird Wert auf Vernetzung gelegt. Unter dem Dach der IG Metall können sich Betriebsräte, Vertrauensleute aber auch interessierte Mitglieder aus den Betrieben austauschen. "Für viele ist die Erkenntnis wertvoll, dass alle in einem Boot sitzen - auch, wenn die Unternehmen untereinander in Konkurrenz zueinander stehen" sagt Sebastian Schien von der IG Metall Wolfsburg. Betriebsrät*innen werden ebenso wichtig im Zuge der Transformation. Aufgrund des aktuellen Innovationsdrucks vor allem in der Automobilindustrie stehen viele Dienstleister vor großen Herausforderungen. Durch Betriebsvereinbarungen können diese Entwicklungen positiv gestaltet werden.

Falls also die Überlegung im Raum steht, sich bei Entwicklungsdienstleistern zu bewerben, lohnt sich die Frage nach Mitbestimmung und Tarifverträgen. Noch lohnenswerter ist die Mitgliedschaft in der IG Metall. In der Geschäftsstelle vor Ort kann nach den Bedingungen in den Unternehmen gefragt werden. Ebenso lässt sich der erste Arbeitsvertrag nach ungünstigen Formulierungen prüfen. Rechtsschutz in allen Fragen des Arbeits- und Sozialrechts ist im Falle einer Mitgliedschaft selbstverständlich. Eine der wichtigsten Punkte bei einer Mitgliedschaft ist aber die Möglichkeit zum Engagement. Nur mit engagierten Mitgliedern lassen sich die Arbeitsbedingungen kollektiv im positiven Sinne beeinflussen.

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