So bleiben Sie am Ball

Fußballregeln - Prüfungsregeln

22.08.2016 | Wie schaffe ich es, mit dem Lernen anzufangen und am Ball zu bleiben? Wie informiere ich mich über Anforderungen? Wie finde ich hilfreiche Strategien, um systematisch zu lernen? Und was haben Fußballregeln mit Lernstrategien zu tun?

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Dr. Evelyn Krauß, Dozentin der IG Metall, verrät uns im Interview ihre wichtigsten Tipps rund um die Prüfungsvorbereitung.

Was hilft gegen Motivationsprobleme?
Studien haben gezeigt, dass viele Studenten beim Lernen negative Gefühle wie Frustration, Angst oder Unwohlsein empfinden. Doch positive Emotionen sind wichtig für den Lernerfolg. Wir trainieren, uns unsere eigenen Gedanken bewusst zu machen, um sie zu beeinflussen. Wir schauen, was uns durch den Kopf schießt, wenn wir zum Beispiel erfahren, dass wir die erste Mathe- Prüfung nicht bestanden haben. Meist sind es rückwärts gerichtete Gedanken wie „Mist, jetzt habe ich wieder nicht richtig gelernt“. Hilfreicher ist es, vorwärts zu schauen: „Ich muss mir die Prüfung ansehen. Dann sehe ich meine Fehler und weiß, was ich tun muss, damit es beim nächsten Mal klappt“.

Wo gibt’s im Vorfeld Infos zu Anforderungen?
Wichtig ist die langfristige Vorbereitung: Während der Vorlesung mitschreiben und schauen, worauf der Dozent achtet. Dann aber auch mittel- und kurzfristig: Mit den Dozenten sprechen. Die höheren Semester fragen, wie die Prüfungen waren. Prüfungsprotokolle von den Fachschaften einholen. Musterprüfungen oder Übungsprüfungen nutzen, die häufig auf den Lernplattformen stehen.

Wie lernt man die eigenen Lernstrategien kennen?
Es gibt drei Arten von kognitiven Lernstrategien: Die Organisationsstrategien helfen, die Informationsflut zu bewältigen und sich einen Überblick zu verschaffen. Dazu gehören vernünftige Markierungen, aber auch kreative und bildhafte Alternativen wie Strukturdiagramme, Mind Maps, Skizzen, Lernplakate usw. Die Wiederholungsstrategien umfassen nicht nur das mehrmalige Lesen und Abfragen, sondern auch das wiederholte Spielen mit dem Lerngegenstand. Und die Elaborationsstrategien helfen, neues an altes Wissen anzudocken. Man kann sich zum Beispiel selbst Prüfungsfragen ausdenken oder versuchen, seiner Großmutter vom Lerngegenstand zu erzählen. Wichtig ist, herauszufinden, welche Lernstrategien zu mir, den Anforderungen und den Zielen passen. Muss ich Dinge verstehen, Probleme lösen, Ideen weiterentwickeln? Oder geht es darum, Dinge auswendig zu lernen und Fakten zu wissen? Mit einer Methode allein kann ich nicht alles lernen.

Folgende (auch im Fußball bestehende) Regeln können hilfreich sein: 

  1. Im Studium gibt es keine Lehrperson, die mich an die Hand nimmt. Ich bin mein eigener Coach, der Termine vereinbart, Ziele setzt, Stärken herauskitzelt, motiviert. Ich plane, überwache und reguliere mein Lernen selbst.
  2. Was ist beim Lernen das Tor? Was sind meine Ziele und wann werden sie erreicht? Was möchte ich am Ende wissen und verstehen? Zwischenziele formulieren!
  3. In welcher Liga spiele ich? Ist das Ziel erreichbar? Verfüge ich über die richtigen Techniken? Ist die Lernumgebung in Ordnung? Habe ich z.B. einen Schreibtisch, an dem ich vernünftig arbeiten kann, könnte eine Lerngruppe mir helfen?
  4. Wie viele Spielminuten habe ich? Wann soll etwas fertig sein? Wann mache ich Pausen? Klare Fristen setzen, Zeitmanagement.
  5. Das Spiel: Wie sehen die Lernschritte aus, was ist zu tun?
  6. Was ist die Abwehr, wer sind meine Gegenspieler? (Zeit, Lust, Material, Ablenkung…) Z.B. Handy, Telefon, Email etc. abschalten.
  7. Anfeuern. Positiv reingehen!
  8. Im Spielverlauf miteinander reden. Prüfen, ob die angewendeten Strategien helfen, sonst Anderes ausprobieren, Alternativen zum Beispiel bei Kommilitonen oder in Ratgeberliteratur  suchen.
  9. Tor! Feiern, wenn man das Ziel erreicht hat. Rückblick, Teambesprechung und freuen.
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