Geldspritzen für das Studium:

Bildungsfonds und Studienkredite

19.12.2019 | Du bekommst weder BAföG, noch Kindergeld oder Unterhalt von deinen Eltern? Deine Stipendienbewerbungen waren erfolglos? Einen vernünftigen Nebenjob findest du auch nicht? Oder all das reicht nicht, um deine Kosten zu decken? Dann bleibt dir die Möglichkeit, dein Studium mit einem Bildungsfonds oder einem Studienkredit zu finanzieren.

Eine persönliche Atmosphäre auf dem Campus, kleine Jahrgänge, engagierte Studierende – Konstantin von Brockhausen war sofort begeistert, als er kurz vor dem Abitur den Tag der offenen Tür der WHU Otto Beisheim School of Management im rheinlandpfälzischen Vallendar besuchte. Auf die Frage, wie ein „normaler“ Student die horrenden Studiengebühren bezahlen soll, lieferte die private Hochschule gleich selbst eine Antwort mit. Über den privaten Bildungsfonds-Anbieter Brain Capital schloss Konstantin einen Vertrag ab.

Er war damit von den Studiengebühren befreit und verpflichtete sich im Gegenzug, später einen gewissen Anteil seines Einkommens wieder zurückzubezahlen. „Ich wusste: Rückzahlungen fallen nur an, wenn ich nach meinem Abschluss mehr als 30.000 Euro im Jahr verdiene. Ich musste also keine Angst davor haben, im schlimmsten Fall irgendwann Privatinsolvenz anmelden zu müssen, weil ich meinen Bildungskredit nicht zurückzahlen kann“, erzählt der Wirtschaftswissenschaftler, der inzwischen den Master abgeschlossen hat. Tatsächlich funktionieren Bildungsfonds nach dem Prinzip: „Wer nichts verdient, zahlt auch nichts zurück. Wer wenig verdient, zahlt wenig zurück. Und wer viel verdient, zahlt viel zurück.“

Welche Finanzierung passt?

Interessant ist der Bildungsfonds als Finanzierungsmodell vor allem für Studierende, die relativ viel Geld benötigen, weil sie wie Konstantin an einer privaten Hochschule studieren, eine teure Weiterbildung wie den MBA machen oder zum Beispiel komplett im Ausland studieren möchten. Auch für Studierende, die sich vor Überschuldung schützen und doch flexibel sein möchten, ist der Bildungsfonds eine Option. „Wenn Sie einen Studienkredit mit einem variablen Zinssatz abschließen, ist das in Zeiten der Niedrigzinsphase günstig. Doch sie wissen nicht, wie sich das über die Jahre hinweg entwickelt. Der Bildungsfonds ist unabhängig von der Inflation“, argumentiert etwa Uwe Machwirth vom Bildungsfondsanbieter CareerConcept. Und Anja Hofmann von der Deutschen Bildung erklärt: „Bei Krediten gibt es einen fixen Tilgungsplan, an den ich mein Leben anpassen muss. Bei unserem Modell dagegen verschiebt sich die Rückzahlung, wenn ich beispielsweise an den Bachelor zunächst einen Master anschließe, danach vielleicht noch promovieren und anschließend in Elternzeit gehen möchte oder krankheitsbedingt nicht arbeiten kann“.


Bildungsfonds werden auch als „umgekehrter Generationenvertrag“ bezeichnet. Vielen Studierenden gefällt der Solidaritätsgedanke, der dahintersteckt. Allerdings wird das Modell nicht immer stringent durchgezogen. Stattdessen werden einige Bildungsfonds schließlich doch noch in einen Kredit umgewandelt, wenn Absolvent*innen zum Beispiel zu lange zu wenig verdienen. Überhaupt können Alternativen aus finanzieller Sicht attraktiver sein. Wer das Studium schon begonnen, die Regelstudienzeit noch nicht allzu sehr überschritten hat und nicht mehr als 300 Euro pro Monat benötigt, kann prüfen, ob der zinsgünstige staatliche Bildungskredit des Bundesverwaltungsamts ausreicht.

Vielleicht ist auch ein zinsgünstiges oder sogar zinsfreies Überbrückungs- oder Studienabschlussdarlehen eine Option. Ansonsten gilt: Wer sich an einer deutschen Hochschule immatrikulieren möchte und mit 650 Euro Unterstützung pro Monat auskommt, ist mit dem Studienkredit der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) pragmatisch betrachtet in der Regel besser beraten als mit einem Bildungsfonds. Ulrich Müller vom CHE Centrum für Hochschulentwicklung erklärt: „Die Anbieter für Bildungsfonds fokussieren sich meist auf Studierende, die später gute Karrierechancen und damit eine hohe Einkommenserwartung haben.

Studierende, die sich durch einen Bildungsfonds finanzieren, stehen also in der Regel vor einem erfolgreichen Berufsleben. Das bedeutet im Umkehrschluss, dass eine einkommensabhängige Studienfinanzierung für die meisten von ihnen teurer wird als etwa bei einem KfW-Studienkredit“. Für manch einen Studierenden sind weder die Bildungsfonds noch der KfW-Studienkredit eine Option, so dass der eine oder andere vielleicht darauf angewiesen ist, einen „gewöhnlichen“ Studienkredit in Anspruch zu nehmen. Zu den Anbietern gehören privatwirtschaftliche Unternehmen wie die Deutsche Apotheker- und Ärztebank oder die Sparkasse Herford. Darüber hinaus lohnt es, vor Ort beim Studierendenwerk oder beim AStA nachzufragen, denn einige Hochschulen bieten noch eigene Finanzierungsmöglichkeiten.

Worauf es außerdem ankommt

Wer einen Vertrag abschließt, sollte sich vorab das Kleingedruckte durchlesen. Das gilt insbesondere, wenn es wie bei einem Bildungsfonds oder einem Studienkredit um viel Geld geht. Unabhängig vom Finanzierungsmodell, dem Anbieter und der auszuzahlenden Summe ist es hier außerdem wichtig, abzuklären, welche Situationen im Laufe des Studiums und der Rückzahlungsphase auftreten können und welche Konsequenzen damit verbunden sind: Kann ich von dem Geld bis zum Ende meines Studiums leben? Was passiert zum Beispiel, wenn ich mein Studium abbreche, das Fach oder die Hochschule wechsle, ein Auslandssemester einlege? Muss ich mit einer höheren Rückzahlungssumme rechnen, wenn ich nach dem Studium zunächst eine Karenzzeit einlege oder mich noch weiterbilde? Wie viel Geld muss ich zurückzahlen, wenn ich eine Teilzeitstelle antrete oder auf Dauer sehr wenig verdiene – und kann ich mir das dann überhaupt noch leisten? Kann ich meine Schulden vorzeitig tilgen, wenn ich zum Beispiel viel Geld erbe? Eine kompetente Beratung bieten zum Beispiel die Verbraucherzentralen und die Studierendenwerke.