Duales Studium

Der DGB fordert: Definiert das duale Studium! Positionspapier erschienen

13.02.2017 | Die Qualität des dualen Studiums muss stark verbessert werden. Eine zentrale Forderung des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB): Duale Studiengänge müssen als eigenständiges Studienformat mit besonderem Profilanspruch verbindlich definiert werden.

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Zur Ent­wick­lung des dua­len Stu­di­ums er­klärt die stell­ver­tre­ten­de DGB-Vor­sit­zen­de El­ke Han­nack:

"Das dua­le Stu­di­um ge­hört zu den am stärks­ten wach­sen­den Be­rei­chen im An­ge­bot der deut­schen Hoch­schu­len. Die Fol­ge ist lei­der aber auch ein qua­li­ta­ti­ver Wild­wuchs. Un­ter dem La­bel 'Dua­les Stu­di­um' fir­mie­ren viel­fach An­ge­bo­te, in de­nen es kei­ne ver­nünf­ti­ge Ver­zah­nung von Hoch­schu­len und Be­trieb, von Theo­rie und Pra­xis gibt. Wir müs­sen den Be­griff 'du­al' schüt­zen. Es dür­fen nur sol­che Stu­di­en­for­ma­te sich du­al nen­nen, in de­nen aka­de­mi­sche und be­ruf­li­che Bil­dung auch wirk­lich in­te­griert wird. Die tat­säch­li­che Ent­wick­lung ist da­von noch weit ent­fernt.

Not­wen­dig ist ei­ne ein­deu­ti­ge De­fi­ni­ti­on des Stu­di­en­for­mats. Bund und Län­der müs­sen Min­dest­stan­dards für die Ver­zah­nung der Lern­or­te und die Brei­te und Tie­fe der Qua­li­fi­ka­tio­nen for­mu­lie­ren. Die Stu­dien­gän­ge dür­fen nicht zu sehr auf die Be­dürf­nis­se der Ein­zel­be­trie­be zu­ge­schnit­ten sein. Die mit­un­ter ho­he Ar­beits­be­las­tung der Stu­die­ren­den muss re­du­ziert wer­den. Wir brau­chen kla­re Stan­dards für die ver­trag­li­che Ab­si­che­rung und Ver­gü­tung der Stu­die­ren­den."

Nur da, wo akademische und berufliche Bildung auch wirklich integriert wird, darf "dual" draufstehen.

Hin­ter­grund

Die Be­deu­tung hy­bri­der Bil­dungs­for­ma­te zwi­schen aka­de­mi­scher und be­ruf­li­cher Bil­dung wächst. Ein Blick auf die Nach­fra­ge zeigt, dass so­wohl bei Stu­die­ren­den als auch bei Ar­beit­ge­bern großer Be­darf nach ei­ner Ver­schrän­kung von Stu­di­um und Be­ruf be­steht. Die Kom­bi­na­ti­on aus Hoch­schul­be­such und prak­ti­scher Aus­bil­dung im Be­trieb hat sich als "dua­les Stu­di­um" in Deutsch­land in­zwi­schen fest eta­bliert: Ak­tu­ell stu­die­ren knapp 95.000 jun­ge Men­schen in mehr als 1.500 dua­len Stu­dien­gän­gen, die mit über 41.000 Ein­rich­tun­gen der be­trieb­li­chen Pra­xis ko­ope­rie­ren. (Bun­des­in­sti­tut für Be­rufs­bil­dung, 2015).

Im Zu­ge des ra­san­ten quan­ti­ta­ti­ven Wachs­tums hat sich ei­ne Viel­falt von Mo­del­len dua­ler Stu­dien­gän­ge he­r­aus­ge­bil­det, die sich un­ter an­de­rem in der zeit­li­chen Or­ga­ni­sa­ti­on, dem Grad der Ver­schrän­kung von Theo­rie- und Pra­xis­pha­sen oder der Zahl der ko­ope­rie­ren­den Lern­or­te un­ter­schei­den. Bei vie­len Ak­teu­ren weist dies aber die Fra­ge nach der Qua­li­tät die­ser Stu­di­en­an­ge­bo­te auf. Was ist der Mar­ken­kern des dua­len Stu­di­ums? Was heißt der Be­griff "du­al"? Auf die­se Fra­gen gibt das neue Po­si­ti­ons­pa­pier des DGB ei­ne bil­dungs­po­li­ti­sche Ant­wort.

Fol­gen­de Hand­lungs­fel­der wur­den iden­ti­fi­ziert:

  • Die oft un­zu­rei­chen­de Ver­zah­nung von Hoch­schu­le und Ar­beits­welt
  • Das häu­fig un­ver­bun­de­ne Ne­ben­ein­an­der von Pra­xis und Theo­rie
  • Die en­ge Stu­dien­be­wer­be­r­aus­wahl durch die Be­trie­be, die so­zia­le Aus­le­se ver­schär­fen kann
  • Die ho­he Ar­beits­be­las­tung der Stu­die­ren­den
  • Die mit­un­ter ho­hen fi­nan­zi­el­len Be­las­tun­gen der Stu­die­ren­den (z.B. durch Stu­dien­ge­büh­ren an pri­va­ten Hoch­schu­len)
  • Die un­zu­rei­chen­de ver­trag­li­che Ab­si­che­rung durch Prak­ti­kums­ver­trä­ge
  • Die un­ge­klär­te Fra­ge nach künf­ti­gen Kar­rie­re­we­gen.

Quelle: DGB Jugend