Gender Studies als Zeichen freier Gesellschaft

Die ungarische Regierung verbietet die Gender Studies an ihren Universitäten. Grund sei mangelnde Nachfrage auf dem Arbeitsmarkt.

22.08.2018 | Die Gender Studies sind transdisziplinäre Forschungen, die sich mit der Kategorisierung von Männlichkeit und Weiblichkeit auseinandersetzen. Dabei wird der Fokus vor allem auf das soziale Geschlecht gelegt und Fragen nach Differenz, Hierarchie, Rollen und Stereotypen von, zwischen und über Geschlechter untersucht.

Dies will Ministerpräsident Orbán seit Mitte August an den ungarischen Universitäten verbieten lassen, da die Gender Studies auf dem Arbeitsmarkt nicht gefragt seien. Dabei kämen die Absolvent*innen aus aller Welt und arbeiten mittlerweile als Gleichstellungsbeauftragte in namhaften Firmen. Kritiker*innen vermuten dahinter eine politische Entscheidung, das Wissen im Land zu kontrollieren. Die ungarische Regierungspartei ist der Überzeugung, Geschlechter seien biologischer Natur und keine gesellschaftlichen Konstrukte, daher dürfe man nicht darüber lehren.

Mit der rechtspopulistischen Partei Orbáns sind Frauen- und Homofeindlichkeiten mit ins ungarische Parlament gezogen. Eine einzige Frau sitzt in Orbáns neuem Kabinett. In der vorherigen Legislaturperiode gab es gar keine. Da wundert es nicht, dass das Parlament sich weigert, das Übereinkommen des Europarats zur Verhütung und zur Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und häuslicher Gewalt zu ratifizieren.

Beim Verbot der Gender Studies geht es also mehr als um ein Studienfach, welches verboten wird. Immer wieder versuchen rechte Parteien in Europa und in den USA, mit dem Thema Gender ein reaktionäres Stimmungsbild zu schaffen und die Gesellschaft zu spalten.

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