Mindestlohn steigt gleich zweimal

27.06.2018 | Am 26.6. hat die Mindestlohnkommission des Bundes getagt und eine Erhöhung des Mindestlohnes empfohlen. Die Kommission aus Gewerkschaften, Arbeitgebern und Wissenschaftler*innen empfiehlt dem Bundestag laut Mindestlohngesetz die Weiterentwicklung des Mindestlohns.

Der Mindestlohn soll zum 1.Januar 2019 auf 9,19 Euro steigen und am 1. Januar 2020 auf 9,35 Euro. Die Erhöhung orientiert sich an den Tarifsteigerungen der letzten Jahre. Angefangen mit dem Tarifabschluss der IG Metall im Februar 2018 haben die Gewerkschaften gute Entgelterhöhungen durchgesetzt von denen jetzt über den Mindestlohn noch mehr Arbeitnehmer*innen profitieren.

Viele Studierende verdienen entweder Mindestlohn oder ihr Entgelt wird proportional zum Mindestlohn angehoben. Damit profitieren Studierende und Arbeitnehmer*innen in gering vergüteten Positionen vom Mindestlohn. Bei der Anpassung des Mindestlohns ist das Zusammenspiel mit 450-Euro-Jobs zu beachten. Entspricht ein 450-Euro-Job momentan 50,9 Arbeitsstunden pro Monat zu Mindestlohn sinkt die Stundenanzahl ab dem 1.1.2019 auf 49. In laufenden Arbeitsverhältnissen muss daher eine Absprache mit dem Arbeitgeber getroffen werden, wie die knapp zwei Stunden aufgefangen werden. Ansonsten besteht die Gefahr, dass unentgeltlich und am Mindestlohn vorbei gearbeitet wird.

Der Mindestlohn ist seit seiner Einführung 2014 mit 8,50 Euro das zweite Mal erhöht worden und jeweils wegen Bemühungen der Gewerkschaften stärker als im Vorfeld angenommen.

Stefan Körzell, Mitglied der Kommission für den DGB, ordnet die Empfehlung in den Politikkontext der Gewerkschaften ein: „Ein Mindestlohn kann nur eine untere Haltelinie sein. Gute und möglichst umfassend geltende Tarifverträge bleiben für Beschäftigte das wichtigste Instrument zur Regelung von Lohn- und Arbeitsbedingungen. Die Tarifbindung muss deshalb wieder deutlich gestärkt werden. Dazu ist auch der Gesetzgeber aufgerufen.“

Die Empfehlung der Kommission muss nun von der Bundesregierung umgesetzt werden. Es gibt keine Anzeichen, dass sie von der Empfehlung der Kommission abweichen könnte.

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