Game Workers Union gründet deutsches Netzwerk

Videospiele programmieren und trotzdem wie ein Mensch behandelt werden

17.09.2018 | Wer Video- und Computerspiele programmiert oder designt hat meist das Hobby zum Beruf gemacht. Das nutzen die großen Hersteller aus und erwarten von ihren Beschäftigten unmenschliche Arbeitzeiten.

GrafikerInnen und ProgrammiererInnen haben mit Gewerkschaften meistens nicht viel am Hut. Doch das könnte sich zumindest in der Videospielbranche bald ändern. Während Unternehmen wie Ubisoft, Electronic Arts, Activision Blizzard oder Take-Two Interaktive dicke Gewinne einfahren und ihre Aktionäre verwöhnen, bleibt bei den Leuten an der Tastatur meist nicht viel hängen. Im Gegenteil: Viele in der Szene arbeiten als FreelancerInnen. In der Regel werden sie für ein bestimmtes Projekt angeheuert, um im Anschluss in die Arbeitslosigkeit entlassen zu werden. Existenzsichernde Arbeit sieht anders aus. Wenn eine Produktion auf die Deadline zuläuft, sind häufig unbezahlte Überstunden und bis zu 20-Stundentage angesagt.

Gewerkschaftsfeindliche Mythen bekämpfen

Viele nehmen das in Kauf. Schließlich haben sie ihr Hobby zum Beruf gemacht. Damit soll bald Schluss sein. Die Initiative „Game Workers Unite“ (GWU) will dafür sorgen, dass sich Beschäftigte in der Spielebranche organisieren. „Wir glauben, dass die Ausbeutung von Arbeitskräften von Natur aus unethisch ist und solange es sie gibt, kontinuierlich bekämpft werden muss“, heißt es auf der Internetseite. Als amtliche Gewerkschaft versteht sich GWU noch nicht. Den Aktiven geht es eher darum, Beschäftigte zu vernetzen und sie in die Lage zu versetzen, selbst für gute Arbeitsbedingungen zu sorgen. GWU will für gewerkschaftliche Prinzipien werben. „Die Spieleindustrie ist nicht gut über das Thema Gewerkschaften informiert. Wir müssen eine Menge gewerkschaftsfeindlicher Mythen zerstören“, stellt die Aktivistin Emma Kinema fest.

Studierende organisieren


Unter dem Motto „Game Students unite“ organisiert das Netzwerk auch Studierende und SchülerInnen. In der Spieleindustrie sind unbezahlte Praktika üblich und BerufseinsteigerInnen wird eine hohe Exklusivität der Branche versprochen. Um gemeinsam mit den zukünfitgen Arbeitskräften gute Arbeitsbedingungen für Alle zu gestalten, kann man sich bereits vor dem Berufseinstieg bei GWU engagieren.

Globales Netzwerk der Games-ArbeiterInnen

In Deutschland hat sich am Standort der Branchenmesse gamescom in Köln ein erster lokaler Ableger gegründet. Die Arbeit findet vor allem online in Netzwerken statt. Einen Schritt weiter sind die KollegInnen in Frankreich. Dort hat sich bereits eine schlagfähige Gewerkschaft (Le Syndicat des Travailleurs et Travailleuses du Jeu Vidéo) gegründet. Mit deren finanziellen Unterstützung legte knapp die Hälfte der Belegschaft beim Kriegsspielmacher Eugen Systems die Arbeit nieder. Sechs Wochen lang kämpften sie für eine Lohnnachzahlung – nun muss ein Gericht entscheiden

Der Artikel wird mit freundlicher Genehmigung des DGB verwendet. Er erschien dort in abgewandelter Form.

Drucken Drucken